Ein Gastbeitrag mit Cat-Content: Der Katzenschal

Heute gibt es bei dunkelbunt das erste Mal einen Gastbeitrag und auf den freue ich mich ganz besonders – weil er etwas ganz Besonderes beinhaltet. Barbara Bausch, freiberufliche Diplom-Designerin aus Birstein, und ich kennen uns schon ein paar Jahre aus den Weiten des Internets, haben lange zusammen im Second Life schöne Dinge designed und auch danach den Kontakt nie ganz verloren. Und ein Post auf ihrer Facebook-Seite ließ mich aufhorchen: Barbara hatte nämlich eine tolle Idee, weil sich Ihr Mann einen selbstgestricken Schal wünschte. Und zwar in den Farben einer Glückskatze.

Barbara-Katze
Barbaras Maine-Coon Katze Ashanti

Und hier ist Barbaras Beitrag:
„Wer Haustiere hat, kennt das Phänomen der Haare, die man überall im Haus findet.
Besonders skurril sind Katzenhaare, da sie scheinbar keine Masse besitzen, die der Erdanziehung folgt. Sie sind einfach überall. Um das Problem ein wenig einzudämmen, kämme ich meine Langhaarkatzen regelmäßig, und siehe da: büschelweise Fell finden sich nach jedem Mal kontrolliert und schön gebündelt in den Zinken meines Werkzeugs. Und da bei drei Katzen jede Menge zusammen kommt, hatte ich eines Tages beschlossen, sie in einer Tüte zu sammeln, um sie später zu verarbeiten.

Anstoß zu dieser Idee hatte mir ein vor langer Zeit gelesener Artikel über Neufundländer-Züchter gegeben, die die ausgekämmten Haare ihrer Vierbeiner gesammelt und daraus Kleidungsstücke gefertigt hatten, die sie in einem kleinen, zum Zuchtbetrieb gehörenden Shop verkauften. Zudem hatte sich mein Mann einen „Katzenschal“ gewünscht. Während er zunächst nur an die entsprechenden Farben unserer dreifarbigen Glückskatze gedacht hatte, kam mir die weiterführende Idee, gleich Nägel mit Köpfen zu machen und die Originalhaare zu verwenden.

Barbara-Wolle

Es hatte etwa ein Jahr gedauert, bis ich 400 Gramm Haare gesammelt hatte (Katzen lassen sich eben nicht so lange kämmen bis alle losen Haare entfernt sind, sondern nur so lange wie es ihnen gerade gefällt). Ich wusste, dass ein ordentlich langer Schal etwa diese Menge an Wolle brauchen würde.

Glücklicherweise gibt es in unserem Dorf außerdem einen Spinn-Verein, von dem ich sicher war, darin ein Mitglied zu finden, das sich des Fells annehmen würde. Ich sollte Recht behalten. Ich musste nur noch ein paar Fragen beantworten: Wie dick sollte der Faden werden, sollte er doppelt oder einfach gesponnen sein und wie die Farben angeordnet?

Ich entschied mich für die Stärke 4 und einen doppelt gesponnenen Faden, der dadurch stabiler war. Die Farben sollten changieren, nicht völlig bunt gemischt werden. Ich stellte mir vor, abwechselnd dunkle, rote und weiße Partien im fertigen Schal zu haben.

Nach zusammengerechnet 24 Stunden Arbeit, in denen die Haare sortiert, kardiert (in eine Richtung ausgerichtet) und versponnen worden waren, bekam ich zwei fertige Knäule Wolle von je 200 Gramm. Den Preis für die Arbeit haben wir auf freundschaftlicher Basis ausgehandelt, so dass wir beide zufrieden waren. Je nachdem, wie gut man sich kennt, und ob man Gegenleistungen liefern kann, kann man sich leicht ausrechnen, wie teuer ein so individueller Wolleknäuel werden kann.

Barbara-Wolle gesponnen

Man kann, um Arbeitszeit beim Spinnen zu sparen, aber auch vorarbeiten, indem man die gesammelten Haare vorsichtig wäscht, trocknet und vorsortiert. Dabei legt man das Fell im Waschbecken oder in der Badewanne auf ein Bad mit Babyshampoo und drückt sie vorsichtig in das Wasser und darin ein paar mal an den Grund des Beckens. Handweise spült man sie mit klarem Wasser ab und legt sie zum Trocknen flach auf Handtüchern aus. Sobald sie trocken sind, sortiert man sie nach Farbe und verpackt sie getrennt. 

Da die Katzenwolle sehr „fluffig“ war und viele Farben beinhaltete, entschied ich mich, außer an den Enden (klassisch zwei rechts, zwei links), keine weiteren Muster in den Schal zu stricken. So entstand ein glatt rechts gestrickter Schal.

Barbara-Schal

Durch den doppelt gesponnenen Faden ist er relativ fest geworden. Dadurch stehen kleinste Härchen ziemlich straff aus dem Schal heraus und pieken ein klein wenig – so wie Schurwolle.

Ich sammle weiter und werde den nächsten Schwung Haare probehalber einfach spinnen lassen. Vermutlich muss ich mit der Wolle dann sehr viel vorsichtiger umgehen, aber eventuell wird das nächste Stück dann umso weicher.“

Vielen Dank, liebe Barbara! Dass Tierhaare versponnen und verarbeitet werden, habe ich ja schon dann und wann mal gehört, es aber so schön und anschaulich zu sehen und zu lesen, hat viel Freude gemacht und ich finde, das Ergebnis ist toll geworden. Etwas ganz Besonderes! Aus meinem Britisch-Kurzhaar-Kater Elmo bürste ich leider nur kurzes, braun-beige-graues Unterfell. Ein Farbton, der an ältere Staubmäuse erinnert. Wenig kleidsam vermutlich, obwohl er ja eigentlich so ein schönes schokobraunes Fell hat. So wird er zu seinem großen Glück wohl auch zukünftig von großen Bürstattacken verschont bleiben. Wir freuen uns auf jeden Fall auf die neue Katzenwolle und natürlich auf Ergebnisse und Fotos davon!

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6 Gedanken zu “Ein Gastbeitrag mit Cat-Content: Der Katzenschal

  1. madameflamusse schreibt:

    Was für eine Traumhaft hübsche Katze, diese Rasse finde ich wunderbar, und wirklich tolle Farben. Mit dem Thema der Tierhaare hatte ich mich auch schinmal auseinander gesetzt, eben wg. den vielen Katzenhaaren. Und ich hatte auch mal einen Bericht gesehen über Kleidung aus Hundehaar. Echt cool. Genialer Schal. :-)

  2. Anke schreibt:

    Oh das ist ja genial.
    Ich hätte vermutlich eher den ganzen Schal kraus rechts gestrickt, damit sich die Längsseiten nicht einrollen, und für mehr Flausch dickere Nadeln verwendet, aber das hier beschriebene Stück ist wirklich zauberhaft.
    Ich habe auch eine Bekannte, die gerade angefangen hat, Norwegerkatzen für mich auszukämmen und bin arg gespannt darauf, wann und wie ich die Fasern dann verspinnen kann.
    Hach!

    • Barbara schreibt:

      Vielen Dank für den Tipp mit dem „kraus rechts“. Die einrollenden Kanten sind tatsächlich ein bisschen blöd. Aber ich habe schonwieder 300 Gramm Haare gesammelt. Bald genug also für ein verbessertes Folgeprojekt. Ich bin auch neugierig, ob das nächste Stück etwas weniger kratzig wird, wenn ich die Haare nur einfach spinnen lasse.

      Viel Erfolg bei Ihrem Projekt. Ich freue mich, das zu sehen.

  3. zwitscherhexe schreibt:

    Ach, wie schön! Ich sammle auch seit einiger Zeit die ausgekämmten Haare meiner Perserkatzen. Nur versponnen müßten sie noch werden. Da müßte sich noch eine Spinnerin finden:-)
    Ich mache das auch vorallem, um einmal eine schöne Erinnerung an meine Mädls zu haben.
    LG Bettina

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