100 Tage autofrei

Mini Clubman

100 Tage, genau genommen 107 Tage sind es heute. 107 Tage ohne Auto, denn das haben wir Ende Juli recht kurzfristig verkauft und ein Neues ist auch erstmal nicht geplant.

Zugegeben, ganz freiwillig war der Autoverkauf nicht. Nach zwei Jahren mit dem schönen blau-schwarzen Mini Clubman konnten wir nicht anders Bilanz ziehen, als dass der Wagen viel zu teuer war für den (nur kurzen) Weg zur Arbeit und mal ein wenig einkaufen oder Leute besuchen am Wochenende, die zudem noch alle in der Nähe wohnen. Dafür stand er dann täglich etwa 23 Stunden herum, auf dem Firmenparkplatz oder in der zusätzlich gemieteten Tiefgarage. Reparaturen taten ihr Übriges, also stand dann im Sommer fest, das Auto kommt in neue Hände, solange er noch einen anständigen Wert hat und wir schauen, wie wir das Leben erstmal ohne fahrbaren Untersatz geregelt bekommen.

Erstaunlich gut, das ist mein Eindruck nach den ersten Monaten. In unserem Bielefelder Stadtteil ist man sehr gut versorgt, auch was öffentliche Verkehrsmittel angeht. Keinen Kilometer Fußweg zur Stadtbahn, mit der man nur 10 Minuten in die Innenstadt braucht und die im 10 Minuten-Takt fährt. Und Bushaltestellen, zu denen man nur eine Straße überqueren muss. Supermärkte, Ärzte, Apotheken, Post, Banken… alles im wahrsten Sinne des Wortes um die Ecke, zudem samstags noch einen wunderbaren Wochenmarkt direkt vor der Tür. Auch der lokale Car-Sharing-Anbieter hat zwei Autos bei uns um die Ecke stehen, da haben wir uns angemeldet und dadurch die Möglichkeit, bei Bedarf einen Wagen stundenweise auszuleihen, was wir aber nicht allzu oft nutzen. Es sei denn, die Katzenstreu ist alle oder wir kaufen größere Mengen Getränke.

Zur Arbeit und zurück kommen wir beide problemlos mit Stadtbahn und Bus und brauchen auch meist nicht länger als mit dem Auto durch die ewigen, stressigen Innenstadtstaus. Entspannter und stressfreier ist es auch, nur das Quatschen am Morgen fehlt mir, da wir im Moment unterschiedliche Linien in unterschiedliche Richtungen fahren müssen. Abgesehen von den Arbeitswegen mussten wir uns auf mehr Zeit unterwegs einstellen, denn nicht immer klappen die Anschlüsse so, wie man sie gerne hätte. Die Umstellung auf feste Abfahrzeiten war gerade morgens erstmal etwas gewöhnungsbedürftig und so manches Mal sah man die Bahn oder den Bus grad noch von hinten…

Das restliche Leben ohne Auto und die anstehenden Besorgungen für den täglichen Bedarf funktionieren gut, viel bewusster und überlegter, schließlich kann man nicht mal eben noch da und dort vorbeifahren. Was im Nachhinein betrachtet zwar auch ganz nett, aber auch nie wirklich nötig war. Ist man zu Fuß oder mit Bus und Bahn unterwegs, macht man selten unnötige Wege und optimiert die Besorgungen zur Perfektion. Unser Einkaufsverhalten hat sich auf jeden Fall dadurch verändert, das merkt man auch im Haushaltsportemonnaie. Kaum noch große Verbrauchermärkte, das Meiste geht lokal und vor allem regional – und zwar bestens.

Natürlich ist es nicht immer toll, irgendwo eine halbe oder mehr Stunde rumzustehen und auf Anschluss zu warten oder durch Wind und Regen zu stapfen – der Schnee kommt ja auch noch. Da hilft wirklich nur richtig gute Kleidung. Naja, und Busfahren selbst ist auch nicht immer nur das reine Vergnügen dank einiger Mitmenschen. Aber alles in allem bin ich nicht böse, dass das Auto weg ist. Ich bin eh nie wirklich gerne gefahren. Nun dürfen wir beide ein Glas Wein beim Italiener trinken und kommen trotzdem sicher nach Hause und wir haben unterwegs viel mehr Zeit, miteinander zu reden. Das kann man nämlich ganz prima, wenn man sich nicht permanent auf den Verkehr konzentrieren muss. Und man kann sich sogar gegenüber sitzen und die Landschaft an sich vorbeiziehen lassen. Oder Stricken, im Smartphone rumtippen oder ein bisschen die Augen zu machen – alles, was man im Auto besser lassen sollte.

Ganz klar, in der Stadt ist es wirklich kein Problem ohne Auto! Die Kombination aus Bus und Bahn, kurzen Wegen im Ort und der Möglichkeit, ein Auto stundenweise leihen zu können, ist wirklich eine sehr gute und umweltfreundliche Alternative, bei der wir sicher noch eine Weile bleiben werden.

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3 Gedanken zu “100 Tage autofrei

  1. Tüt schreibt:

    Wir leben ja auch ohne Auto, weil das einfach ganz und gar nicht drin ist bei zwei Studenten. In Dortmund kommt man mit den Öffis auch super zurecht, allerdings fluche ich schon beim Einkaufen oder wenn es so richtig regnet und stürmt und ich weg muss.
    Wenn Dortmund Fahrradfreundlicher wäre, wäre das defintiv mein Hauptverkehrsmittel, aber das läuft hier leider gar nicht gut.
    Bin gespannt, ob und wie ihr es durch den Winter schafft!

    • Anyusha schreibt:

      Tüt, das mit dem Bahnfahren im Winter habe ich schon fast immer gemacht, weil der Umweg für den Mann bei Schnee und Glätte immer zu viel war und ewig gedauert hat. Er hat dann den Wagen genommen und ich die Bahn. Zugige Haltestellen kenne ich daher gut..
      Das Fahrrad wäre für mich keine Alternative, da ich überall üble und fahradunfreundliche Hauptstraßen fahren und passieren muss und ich mich da nicht sicher fühle. Ich will noch ein wenige leben ;-)

  2. Ingrid schreibt:

    Wenn ich in der Stadt wohnen würde, würde ich auch ohne Auto leben. Wir haben alle 3 (ich, Mann und Tochter) ein Auto, weil es ohne bei uns einfach nicht geht. Ein teurer Spaß – außerdem hat die Tochter ihres diese Woche bei einem Unfall zu Schrott gefahren (Gott sei Dank ist ihr außer ein paar Prellungen nichts passiert).

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