Good-bye Lilli – oder vom Glück, ein warmes Zuhause zu finden

Lilli-2012-11-19

Ich sollte mich freuen, aber mir ist zugleich ganz schwer ums Herz und ich bin traurig, dass eine ganz besondere Zeit nun vorbei ist. Lilli ist seit gestern weg.

Vor ziemlich genau 12 Jahren saß ein kleines Kätzchen, nur Fell und Knochen, vor meinem Bürofenster und schaute mich an. Nicht kurz, sondern sehr lange. Okay, ich hatte verstanden, sie hatte Hunger und in der Mittagspause habe ich ihr erstmal einen Schwung Futter besorgt. Sie hatte mich erwählt und von nun an kam sie jeden Tag. Ihr Futterplatz wurde komfortabler – wozu ist der Mann Tischler – und das Essen besser. Sie bekam Babies, bevor ich sie zum Kastrieren einfangen konnte. Das Tierheim wollte die Katzen nicht, da Wildlinge. Nicht sozialisiert und somit unvermittelbar. Die kleinen Katzen wuchsen heran, einige konnte ich erfolgreich privat vermitteln, nicht alle haben das raue Leben da draußen geschafft. Aber ich habe sie hier am Büro versorgt, so gut ich nur konnte, samt Tierarzt und warmer Schlafhütte. Am Ende blieb Lilli übrig, die sogar so viel Vertrauen gefasst hatte, dass sie ins Büro kam und sich auf den für sie eingerichteten Platz an die Heizung legte, sobald es draußen kälter wurde.

Ja, es gab viele, auch unschöne Diskussionen, aber die Katze war von den Chefs geduldet und ohne einige superliebe Kolleginnen hätte ich das mit dem Füttern auch nicht hingekommen im Urlaub oder wenn ich mal krank war. Jeden Tag, jedes Wochenende, auch im Urlaub. 12 Jahre. Das ist mitunter auch eine große Last gewesen, aber ich habe es immer gerne gemacht. Schon eine lange Zeit habe ich mich umgehört, wo die inzwischen ältere Katze vielleicht ein Zuhause finden kann, besonders vor dem Hintergrund, dass mein Arbeitgeber bald den Standort in der Stadt wechslen wird und ich sie unmöglich mitnehmen kann und darf. Genau so wenig, wie hierlassen. Zuhause habe ich ja bereits zwei Kater, das schied also aus. Niemand wollte einen alten Wildling. Und auf einmal war da so ein Engel in der Form einer ehemaligen Kollegin, die auf einem Alumnitreffen erschien. Problemkatzenerfahren sagte sie spontan, Lilli zieht zu mir. Und so ist sie gestern in ihr neues Zuhause umgezogen. Das ist ein ganz großes Glück für die kleine, wilde Lilli, die nun ihren Lebensabend an einem warmen Plätzchen verbringen darf. Und ich bin mir sicher, dass es ihr dort gut gehen wird.

Nun ist ihr Platz hier leer. Noch muss ich mich daran gewöhnen, dass morgens niemand mehr am Fenster auf mich warten wird, ihre Decke zusammengelegt mit den leeren Futterschalen in der Ecke liegt. Es hätte ihr nichts besseres passieren können. Mach’s gut, kleine Lilli!

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9 Gedanken zu “Good-bye Lilli – oder vom Glück, ein warmes Zuhause zu finden

  1. Elena schreibt:

    So ist es ja gut!
    (Ich dachte anfangs an Schlimmeres..)
    Lilli wird es bei der ehemaligen Kollegin bestens gehen, und Du kannst sie ja auch besuchen, oder?

    Viele Grüße
    Elena

  2. Gudrun schreibt:

    Unsere Miezekatze ist ein Wildling aus dem Tierheim. Sie ist nun 20 (!!) Jahre alt, von Anfang an Freigänger und es hat ungefähr 10 Jahre gedauert, bis sie wirklich handzahm war. Seit etwa einem Jahr ist sie zwar blind und nahezu taub und geht nur noch selten ihre Runde durch den Garten. Aber wir lieben unser altes Mädchen inniglich und es gibt nichts schöneres, als mit ihr auf dem Sofa zu kuscheln.

    • Anyusha schreibt:

      Wie schön :-) ich höre immer wieder tolle Geschichten von Wildlingen, daher habe ich die Hoffnung, das es auch bei ihr klappt. Ich wünsche euch noch ein paar tolle und gesunde Jahre mit eurer Kleinen!

  3. Carina schreibt:

    12 Jahre, das ist lang … Kein Wunder, dass Du wehmütig bist. Aber was für ein gutes Ende der Geschichte für Lilli und damit irgendwie auch für Dich.

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